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Igel

Aus Wiki für Tiere und Menschen

Junger Igel

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Igel im Winter

Es ist nicht zu übersehen, das Laub verfärbt sich, die Früchte der Eichen und Buchen, der Kastanien und Maronen fallen von den Bäumen und dann erinnern sich viele Leute daran: "Jetzt ist es ja Zeit Igel zu retten".

Obwohl sich durch die Aufklärungsarbeiten sowohl von Igelschutzvereinen als auch vielen engagierten Igelhelfern Vieles zunm Guten verändert hat, gilt es noch dicke Bretter zu bohren, um diesen erdgeschichtlich seit der Kreidezeit fast unverändert vorkommenden Tieren ein Überleben zu ermöglichen. Mancherorts werden sie von wohlmeinenden Helfern wie eben diese Herbstfrüchte eingesammelt und weil vermeintlich untergewichtig in kleinen Kästchen mit Laub im Keller verstaut. Man stellt ihnen evtl noch Wasser und Katzenfutter hin u. meint damit der große Tierschützer zu sein. So werden viele Igel in guter Absicht ohne jegliche Sachkenntnis totgepflegt und es gibt eine erhebliche Dunkelziffer.

Andererseits werden im Sommer verletzte Igel, weil sie ja mit ihrem Körpergewicht über den berühmt-berüchtigten 600 g liegen, nicht beachtet und müssen oft qualvoll sterben. Viele Menschen meinen nach den häufig,oder kranke besonders im Herbst verkürzt, unrichtig, weil aus überholten Schriften abgeschrieben,aus den Medien angelesenen Fragmenten an Wissen, der große Igelschützer zu sein. Also: der gesunde Igel ist ein Wildtier, er gehört nicht in Menschenhand.

[Bearbeiten] Welcher Igel ist gesund?

  1. ist der Igel dämmerungs-und nachtaktiv,
  2. ist seine Form tropfenförmig, vorne spitz, hinten rund,
  3. hat er halbkugelförmige schwarze Knopfaugen,
  4. ist seine Nase feucht,
  5. rollt er sich bei Annäherung fest zusammen und erst wenn die vermeintliche Gefahr vorbei ist, wieder aus,
  6. stellt er seine Stacheln kreuz und quer auf,
  7. flitzt er, wenn er meint, daß die Zeit reicht, hochbeinig und schnell in Sicherheit,
  8. ist der Kot gesunder Igel ein dunkles geformtes Würstchen.

[Bearbeiten] Welcher Igel ist krank und damit hilfsbedürftig?

  1. Kranke Igel werden am Tag gefunden, oft ohne jegliche Deckung liegend.
  2. Die Form kranker Igel ist walzenförmig.
  3. Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte.
  4. Die Augen liegen tief in den Höhlen, werden oft nur schlitzförmig geöffnet.
  5. Die Nase ist meist trocken.
  6. Die Körpertemperatur kann kühl sein.
  7. Der Gang kranker Igel ist mehr langsam, auch wackelig, oder sie liegen und stehen nicht auf.
  8. Kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm.
  9. Die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt.
  10. Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig, auch blutig.

Verletzte und kranke Igel brauchen ganzjährig Hilfe.

ACHTUNG

Wer ein krankes Tier anfaßt, muß auf besonders gründliche Händehygiene achten, denn Krankheitserreger, wie z. B. auch Eitererreger oder Salmonellen, sind auf Menschen übertragbar.

Hilfsbedürftig sind auch Igel, die nach Frosteinbruch noch mit einem Gewicht unter 500 g draußen gefunden werden, ihnen fehlt das nötige Fettpolster für den Winterschlaf. Dies ist häufig krankheitsbedingt und damit behandlungsbedürftig. Einen kranken Igel lediglich mit Futterangebot und Unterkunft zu versorgen, führt zu seinem Tode. Eine tierärtzliche Behandlung oder die Versorgung in einer qualifizierten Igelstation ist immer erforderlich, wenn die Überwinterung gelingen soll.

Besondere Kenntnisse sind erforderlich, wenn verwaiste Igelbabys gefunden werden. Erste Hilfe: handwarme Wärmflasche und Fencheltee aus der Pipette vorsichtig tropfenweise eingeben. Darauf achten, daß das Tierchen schluckt, qualifizierte Hilfe suchen. Hervorragende Informationen kann man sich aus dem Internet holen unter www.pro-Igel.de

Viele Igelfinder fragen als Erstes: Wo kann ich den Igel abgeben? und treten oft sehr fordernd auf. Igelstationen sind in der Regel Privatinitiative (s. a. meinen Artikel über Igelstationen) Was wir in den Stationen machen, ist Reparaturarbeit und Hilfe am leidenden Einzeltier. Damit können wir bestenfalls eine geschwächte Population stützen, es ist keine arterhaltende Maßnahme.

Artenschutz beginnt bei jedem von uns,

  1. indem wir verantwortungsbewußt im Straßenverkehr sind,
  2. weitestgehend auf Gifteinsatz im Garten verzichten,
  3. Gefahrenquellen in unserem Lebensraum, den der Igel zwangsläufig als Kulturfolger mit uns teilt, beseitigen,
    1. z. B. Teiche mit Ausstiegshilfen versehen,
    2. auf Gartenfeuer verzichten,
    3. Gruben und Schächte abdecken,
    4. auf Netze bis zum Boden verzichten, in denen sich die Tiere verheddern können,
    5. vorsichtig mit dem Einsatz von motorisierten Gartengeräten, z.B. Rasentrimmern oder Laubsaugern sind (besonders unter Sträuchern),
  4. darauf verzichten, daß Lebensmittel weggeworfen und zu einer Infektionsquelle werden,
  5. indem wir Wildpflanzen in den Gärten zulassen. Sie bieten der heimischen Insektenwelt Lebensraum und Kinderstube.Igel als Insektenfresser sind darauf angewiesen.
  6. Indem wir Unterschlüpfe bieten und Laub und Strauchschnitt als Nistmaterial belassen

Unsere Stachelritter möchten leben und wir möchten sie doch noch lange als heimliche nächtliche Kobolde in unserer Nähe beobachten können?

Sie verdienen unseren besonderen Schutz und Beachtung.

[Bearbeiten] Igel im Frühjahr

Achtung:

Für in menschlicher Obhut überwinterte Igel gilt: Aussetzen erst dann, wenn die Nachttemperaturen +8° nicht mehr unterschreiten Die Natur muß ausreichend Unterschlüpfe bieten und die Insekten müssen als Futter für die Igel reichlich vorhanden sein. Man sollte sich nicht täuschen. Im Freien überwinterte Igel werden schon gesichtet. Dennoch ist es für unsere Schützlinge noch zu früh!!!!!!

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte...

... und die alljährlichen Igelprobleme beginnen aufs Neue. In diesem Jahr hat sich der Frühling schwer getan, zu uns zu kommen, aber jetzt waren die letzen Tage doch recht mild und die Natur ist mächtig voran gekommen. Die ersten Igel sind aus dem Winterschlaf erwacht. Sie haben es noch schwer, denn als Insektenfresser finden sie jetzt noch keine ausreichende Nahrung. Nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf, der ja kein Schlaf in unserem Sinne ist, braucht der Igel zunächst einmal seine Ruhe, um sich wieder an die aktive Phase zu gewöhnen. Das Herz schlägt wieder schneller, die Körpertemperatur steigt an, die Atmung wird tiefer und schneller. Die Speckschicht ist dahin geschmolzen und der Stachelbalg schlottert ihm um den mageren Körper.

Essen, Trinken und ...

Die ersten Schritte sind nach den Stunden des Aufwachprozessen wackelig und langsam. Jetzt braucht unser stacheliger Freund erst mal Wasser, egal, ob aus der Pfütze, dem Bächlein oder auch den Tau von Pflanzen und Gräsern. Und dann begibt sich der wandelnde Kaktus auf Futtersuche. Igel haben kein Revierverhalten, wie viele andere Tiere und sie jagen auch nicht. Es ist ein Suchen und Finden. Der Igel, als dämmerung- und nachtaktives Tier hat kein besonders gutes Sehvermögen, aber er hört und riecht ausgezeichnet und so findet er seine Nahrung. Auf der Nahrungssuche muss er noch weite Strecken zurück legen. Die Gefahr ist daher groß, von einem Auto erwischt zu werden.

...Partnersuche

Das Gleiche gilt für die bald beginnende Partnersuche. Schon liegen die ersten Kandidaten wieder platt gefahren auf den Straßen. Bei angepasster Fahrweise wären viele Tieropfer zu vermeiden. Dem Igel hilft sein angeborenes Verhalten - einrollen und abwarten bis die Gefahr vorbei ist - gar nicht, wenn ein Auto im Spiel ist. Und ein toter Igel lernt nicht mehr. Dennoch, so scheint es manchmal, daß einige Igel einen Lernprozess durchzumachen. Manche schätzen ab, ob nun das rasche Weglaufen oder das Einrollen das Überleben sichert.

Gefährdeter Lebensraum - Verletzungen...

Der Igel, als Kulturfolger des Menschen, hat in unserem Umfeld leider nicht das Paradies gefunden. Jetzt werden die Gärten wieder fein gemacht. Altes Gesträuch wird entfernt und damit mancher Igelunterschlupf. Schadhafte Zäune werden ausgebessert und damit manchem Igel der Weg in bessere Nahrungsgründe versperrt. Aber auch beim Kompostumsetzen wird in den Haufen hinein gestochen und den einen oder anderen Igel erwischt es böse. Da der Igel im Dreck lebt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß sich Wunden infizieren und, besonders wenn es wärmer wird, dass Fliegen ihre Eier in die infizierten Wunden legen. Die rasch schlüpfenden Maden fressen den Igel bei lebendigem Leibe.

Sie sehen, nicht nur im Herbst und bei den berühmten "Unter-600 g-Körpergewicht" brauchen Igel Hilfe. Mit Achtsamkeit können wir erreichen, dass viel weniger Tiere zu Opfern unseres Handelns werden. Die beste Hilfe für Igel ist natürlich, ihnen einen Lebensraum zu lassen oder zu bereiten, wo sie sich satt fressen und ihre Jungen großziehen können; wo sie sich ungefährdet zum Ruhen in ihre selbst gewählten Unterschlüpfen zurückziehen können. Hilfe ist auch, Gefahren zu erkennen und abzuwenden. Wenn menschliche Hilfe bei Krankheit oder Verletzung unumgänglich ist, dann sollte sie unbedingt sachkundig sein. Das Gleiche gilt für die Aufzucht verwaister Igelsäuglinge, die ab Ende Mai, Anfang Juni bis in den September hinein, zu erwarten sind. Das ist landschafts- und witterungsgebunden unterschiedlich.

...fehlende Nahrung...

Wir haben es uns leider gedankenlos zur Gewohnheit gemacht, so genannte Unkräuter mit Stumpf und Stiel auszurotten und dafür Pflanzen einzusetzen, die uns gefallen, die bei uns gedeihen. Aber: Die heimischen Pflanzen sind die Kinderstube der heimischen Insekten = Igelnahrung. Fehlen sie, fehlen Arten und das bedeutet eine Reduzierung der Nahrungsvielfalt für den Igel. Die eingebürgerten, für uns sehr schönen Pflanzen, bieten der heimischen Insektenwelt gar nichts. So verringern wir alljährlich die Artenvielfalt in unserem Umfeld etwas mehr. Dazu kommt noch die Verletzungsgefahr der Igel durch Gartengeräte, besonders so genannte Rasentrimmer, die gedankenlos eingesetzt werden unter überhängendem Strauchwerk, Büschen etc.

... Gefahr durch Gift und Gartenteich

Und dann geht es auch schon wieder los mit der Giftspritze. Alle Nahrungstiere des Igels werden vernichtet, die vergifteten, leicht zu erhaschenden Tiere belasten auch die Igel. In manchen Gärten wird an einem Platz Unrat aus dem Garten aufgehäuft und schließlich ohne großes Nachdenken angezündet und verbrannt. So mancher Igel verbrennt mit. Wer sich jemals verbrannt hat, weiß, wie weh es tut.

Noch immer sind viele unserer so beliebten Gartenteiche Todesfallen für Igel, wenn die Seiten steil und ohne Ausstiegshilfen sind. Igel können zwar schwimmen, aber sie erschöpfen sich leicht und müssen dann ertrinken. Nicht zugedeckte Kellerschächte oder andere diverse Gruben wurden schon so manchem Tier zum Verhängnis.

Igel leben nachweislich seit der Kreidezeit auf diesem Planeten. Bemühen wir uns alle darum, dass uns der kleine sympathische nachtaktive Kobold noch lange erhalten bleibt. Ich hoffe, daß Sie alle mit Wohlwollen, offenen Auges und wachen Sinnes auch für die kleinen stacheligen Sympathieträger durch das Jahr gehen.

[Bearbeiten] Igel gefunden - und nun?

Jetzt rennen sie wieder - eigentlich in der Dämmerung und nachts, sowie im Morgengrauen - die Igel. Schon wieder finden wir angefahrene oder überfahrene Igel  an den Straßenrändern, aber auch durch Gartengeräte verletzte oder kranke Tiere. Sie sind aus dem Winterschlaf erwacht und sind damit beschäftigt, ihre verlorenen Fettreserven wieder aufzufüllen und natürlich - einen Partner/Partnerin zu finden. Leider ist unser Umfeld, in dem die Igel als Kulturfolger leben müssen, weil ihre angestammten Lebensräume weitestgehend zerstört und verändert sowie von Straßen durchzogen sind, nicht mehr igelfreundlich. Bei angemessener Fahrweise müßten nicht so viele Igel ihr Leben auf der Straße lassen. Manchmal sind sie nur verletzt u. benommen u. sterben hinterher, weil niemand hilft.

Nehmen wir einen verletzten Igel auf, braucht er tierärztliche Hilfe, denn die Verletzungen infizieren sich, eitern, Fliegen setzen sich darauf und legen ihre Eier ab. Die Maden fressen zwar das infizierte Gewebe und die Absonderungen, aber alles was frißt, scheidet auch aus und das wieder ist für die Igel gefährlich - giftig. Also - Igel umgehend vom Tierarzt behandeln lassen oder in einer qualifizierten Igelstation.


[Bearbeiten] Pflege

Pflegen kann man das Tier auch zuhause. Dazu bekommt es eine große Kiste - wenn es geht 1 1/2 qm groß -, die mit Zeitung ausgelegt ist. Dazu braucht der Igel ein kleines Schlafhaus mit einem etwa 10x10 cm großen Einschlupfloch, ausgelegt mit Zeitung u. angefüllt mit Knüllpapier oder Haushaltsrollenpapier. Blumenuntersätzer aus Ton, glasiert, eignen sich hervorragend als Trink-u. Freßschälchen. Wasser muß immer zur Verfügung stehen. Als Futter eignen sich gekochte. Hühnerflügel, gekochtes  Geflügelfleisch mit etwas Kleie. In der Pfanne gestocktes frisches Tartar, Katzenfutter mit ein paar Tropfen Maiskeimöl und etwas Kleie als Ballaststoff.

Igel sind keine Nagetiere, sondern Insektenfresser - also keinen Salat, keine Banane oder Nüsse füttern. Kann das Tier nicht selbstständig fressen, wird die Nahrung so stark zerkleinert, daß sie mit einer Spritze aufgezogen werden kann und man nimmt das Tierchen in Rückenlage in die Hand u. sucht mit dem Konus der Spritze das Mäulchen und gibt die Nahrung sehr langsam hinein. Bitte darauf achten, ob der Igel schluckt. Die Nahrung wird bei sehr geschwächten Tieren früh morgens u. abends gereicht. Die Anweisungen der Tierärzte oder Igelstation sind zu beachten bzgl. Medikamenteneingabe, Bäder, etc. wenn der Igel nicht ständig transportiert u. damit gestresst werden soll.

Häufig findet man jetzt auch am Tag Igel, die ungeschützt in der Sonne liegen oder auf wackeligen Beinchen umherlaufen.


[Bearbeiten] Ist der gefundene Igel pflegebedürftig?

Am Tag gefundene Igel sollten uns immer aufmerksam machen, denn der Igel ist von Natur aus ein dämmerungs- und nachtaktives Tier. Selten ist der Grund für die Sichtung am Tage eine Störung im Schlafnest. Meist ist es eine bakterielle Erkrankung in Folge einer starken Verwurmung.

Die Igel wirken mager, walzenförmig, ihre Augen sind keine hervorstehenden halbkugelförmigen schwarzen Knöpfchen, sie sind eher schlitzförmig oder gar nicht geöffnet und tiefliegend. Es kann sein, daß der Igel am Tag sehr unruhig herumläuft. Seine Hinterlassenschaft ist kein braunes festes Würstchen, sondern grünschleimig, manchmal blutig.

Achtung: Igel leben am Boden, also im Dreck. Krankheitserreger,die den Igel schwächen, können auf Menschen übertragen werden, z. B. Eitererreger und Salmonellen, etc. Mit ausreichender Hygiene - Händewaschen mit Seife u. Nutzung von Handschuhen im Umgang mit den Tieren, sowie Sauberhaltung der Gehege und Näpfe besteht für den Menschen keine Gefahr! Für die Unterbringung der kranken Igel gilt das Gleiche wie für verletzte Igel, auch was über die Fütterung gesagt wurde.

Aber: Ein scheinbar unterernährter Igel ist einfach in der Regel krank. Krankheit mit Futter u. Unterbringung heilen zu wollen ist illusorisch. Die Tiere werden so einfach mit Liebe zu Tode gequält. Kranke Tiere brauchen tierärztliche Behandlung. Das heißt - zunächst einmal die Infektion behandeln, den Igel stabilisieren. Eine Kotuntersuchung zur Bestimmung der Parasitenarten ist zwingend erforderlich. Erst wenn der Igel stabil ist und frißt, darf entwurmt werden. Wurmmedikamente sollen den Wurm im Inneren des Igels umbringen und belasten auch den Igel, Ein kranker schwacher Igel kann daran sterben.

Noch ein Hinweis:

Kranke und verletzte Tiere brauchen nicht nur im Herbst unsere Hilfe, sondern ganzjährig. Die berühmten 600 g im Herbst beziehen sich nur auf Tiere, die evtl. spät geboren sind und bei Frosteinbruch noch mit einem Gewicht von unter 600 g herumlaufen. Auch sie sind in der Regel nicht einfach unterernährt, sondern verwurmt und krank, weil sie nicht mehr die geeignete Nahrung in ausreichender Menge fanden und letztendlich nur noch Würmer und Schnecken aufnahmen, die Zwischenwirte ihrer Innenparasiten.

[Bearbeiten] Igelbabies

Wenn Igelbabies gefunden werden (zu erwarten zwischen Juni und September): Fühlt sich das Tierchen kühl an - auf ein Tuch legen, handwarme Wärmflasche darunter, zudecken. Mit einer Pipette oder Spritze ohne Nadel handwarmen Fencheltee tropfenweise ins Mäulchen geben. Darauf achten, daß das Tierchen schluckt. Schnellstens Kontakt mit einer qualifizierten Igelstation aufnehmen!

Kein Versuch mit irgendeiner Milch - das führt zu Ernährungsstörungen, die tödlch ausgehen. Igel sind Säugetiere das heißt - sie brauchen in der frühen Zeit ihres Lebens die Milch ihrer Mutter. Wenn die Mutter aber unauffindbar ist, müssen sie mit einer speziellen, verträglichen Milch ernährt werden, die der Muttermilch ähnlich gemacht wird. Dann muss man wissen, wie alt etwa das Tierchen ist, um sagen zu können, wieviel Milch zu viewielen Mahlzeiten gegeben werden muß, wann man mit Zusatznahrung anfängt und was ganz wichtig ist: nach der Fütterung ist das "Toiletting", also das Ermöglichen von Ausscheidungen überlebenswichtig!

Igel dürfen als Futter keine Milch bekommen - sie vertragen sie nicht, sondern reagieren mit tödlichen Durchfällen (sie schlecken sie gern, weil sie süßlich ist. Leider wird ihnen von Menschen in guter Absicht noch immer Milch gereicht ! )

Als Säugetiere brauchen aber Igelbabies bis zu einem gewissen Alter die Muttermilch, bzw. eine der Muttermilch ähnlich gemachte Ersatzmilch.


Hinweis:

Unter www.pro-Igel.de  gibt es einen Hinweis auf Merkblätter. Eines davon hat das Thema Aufzucht von Igelsäuglingen. Man kann es mit einem Doppelklick öffnen und wertvolle Hinweise finden. Das gleiche gilt zu allen hier besprochenen Themen.



[Bearbeiten] Igelstation - ein Bericht von Karin Oehl

Igelbabies in einer Igelstation (Bild: Karin Oehl)

Der Begriff Igelstation ist für die meisten Menschen mit dem Gedanken verbunden: Wenn ich einen Igel gefunden habe, dann bring ich ihn dahin!

Leider geht die Überlegung selten weiter, denn man vemutet mit Selbstverständlichkeit eine Institution dahinter, auf deren Leistung man einen Anspruch hat und einen Finanzier , z. B. einen Verein oder Verband dahinter.

Leider sieht die Wirklichkeit so anders aus. In der Regel sind Igelstationen in privater Initiative entstanden und je nach Engagement, Hintergrund und Belastbarkeit, sowie Raumangebot werden sie privat betrieben. Der Begriff ist nicht rechtlich geschützt und sagt nichts über die Qualifikation der Betreiber und die Qualität der Igelhilfe aus.

Igel sind Wildtiere...

...sie gehören nicht dem Finder und nicht der Station. Prämisse der Hilfsarbeit ist, das gesund gepflegte Wildtier Igel wieder möglichst am Fundort auszuwildern, wenn Nahrungs- und Deckungsgrundlage wieder gewährleistet sind. Das kann Wochen und Monate dauern, je nach Jahreszeit und Gesundheitszustand des Tieres beim Fund.

Wird ein Fundigel - meist telefonisch - gemeldet, wird eine Zeit vereinbart, mit ihm in die Station zu kommen. (Meist und möglichst sofort, da Igel oft voller Parasiten sind, oder ihr Zustand kein Zuwarten zuläßt). Der Igel wird zunächst einmal grob in Augenschein genommen. Er wird von der Fahrt her verstört sein und wenn er nicht schon sterbend ist, auch eingerollt kommen und es eine Weile bleiben. Der Igel wird gewogen, evtl. von seinen Parasiten befreit (eingesprüht). Manchmal muß eine Notversorgung vorgenommen werden, z. B. durch Elektrolytgabe.

Es wird eine Dokumentation angelegt, die enthält:

  • Eingangsnummer und -datum,
  • Findername, Adresse, Telefon,
  • Fundort, Zeit und Umstände des Fundes.
  • Ist der Igel schon beim Tierarzt gewesen?
  • (Maßnahmen, welcher Tierarzt, Telefonnummer des Tierarztes)
  • Hat er Futter bekommen, wenn ja: welches und hat er gefressen?
  • Gewicht, Aussehen, Maßnahmen etc...

Alles wie beim Arzt...

... oder im Krankenhaus für Menschen auch, damit der nachbehandelnde Tierarzt sich ein Bild verschaffen und darauf aufbauen kann. Diese Laufkarte bleibt ständig mit dem Tier zusammen und wird weitergeführt: Verhalten, Futteraufnahme, Gewicht, Medikation etc. werden täglich eingetragen.

Danach sollte das Tier zur Ruhe kommen, es bekommt ein Einzelgehege, mit Zeitungen ausgelegt, ein Schlafhaus, in das es sich zurückziehen kann, es bekommt Wasser und Futter angeboten. Der Igel wird beobachtet. Wie sieht er aus?

  • mager, lang oder tropfenförmig?
  • Hat er Verletzungen?
  • Wie sehen seine Augen aus?
  • halbkugelförmige Knöpfchen?
  • schlitzförmig?
  • evtl. ganz geschlossen beim sehr kranken Tier?
  • Wie sieht die Nase, sehen die Ohren aus?
  • Feuchte Nase, reine Ohren
  • oder trockene Nase, verletzte , evtl. eitrige oder von Parasiten befallene Ohren?
  • Wie verhält sich das Tier?
  • Rollt es schnell wieder aus, bleibt liegen, oder kriecht mühsam und langsam in Deckung oder bleibt es gar offen liegen?
  • Verschmäht es Futter und Wasser?
  • Oder wartet es ab, bis die Luft rein ist , rollt aus und verschwindet schnell in der Deckung, nimmt evtl sofort Futter u. Wasser an?

Dann ist wichtig: wie sieht die Hinterlassenschaft aus? Kot wird 3 Tage gesammelt und die Probe zur Untersuchung gebracht.

Oft kann mit der Behandlung keine 3-5 Tage zugewartet werden, weil der Igel bis dahin gestorben ist. Je nach Zustand des Tieres muß die Behandlung durch den Tierarzt schnellstens erfolgen oder Kontakt mit ihm aufgenommen und nach seiner Anweisung behandelt werden (erfahrene Igelpfleger, die das Vertrauen eines oder mehrerer Tierärzte haben, können Einiges selbst machen, um dem Tier einen weiteren Transport zu ersparen).

In der Regel leiden die Tiere an starker Verwurmung und davon ausgehend an Infektionen, oder sie haben Verletzungen, die behandelt werden müssen durch Bäder, Antibiotika, lokale Wundbehandlung etc. Da Igel erdnah leben, sind diese Verletzungen häufig infiziert - eitrig und evtl. auch von Maden besiedelt. So können die gebrachten Tiere sehr unterschiedlich pflegeintensiv sein.

Viel Arbeit...

Frißt der Igel nicht selbst, muß er zwangsernährt werden. Besonders wenn Igelbabys kommen, die noch sehr klein sind, ist am Tag und in der Nacht alle 2 Stunden Ernähren und Toiletting und Reinigung angesagt. (Igelpfleger müssen wissen, welche Nahrung wie häufig in welcher Menge verabreicht und vom Tier vertragen wird.) Das ist wirklich Sache für Spezialisten. Nur so haben die Winzlinge eine Chance, in den Kreislauf der Natur als ganz normale Igel eingegliedert werden zu können. Die Arbeit in einer Igestation ist also arbeitsintensiv, kostenintensiv und wird in der Regel vom Betreiber ehrenamtlich geleistet und aus seiner Börse bezahlt, wenn nicht einsichtige Igelfinder einen freiwilligen Beitrag leisten.

Jede Igelstation hat nur eine beschränkte Aufnahmekapazität. Es rücken gerade in der Herbstzeit täglich mehrere kranke oder verletzte Tiere nach. So ist die wie ein Krankenhaus funktionierende Igelstation darauf angewiesen, daß die Igelfinder die gesund gepflegten Tiere nach Anweisung und Beratung selbst durch den Winter bringen. Natürlich wird das nicht immer möglich sein, dafür hat man auch Verständis. So arbeiten die Igelstationen auch mit Pflegestellen. Leider stehen auch die nicht unbeschränkt zur Verfügung. Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung. Die kann man nicht immer mit Selbstverständlichkeit Anderen aufs Auge drücken. Leider baut sich auch viel Frust auf, wenn Tierfinder nur fordernd und uneinsichtig sind. Man ist Einiges von Menschen gewohnt, wenn man länger mit Tierschutz zu tun hat, nur irgendwann wird die Belastung für den Helfer und seine Angehörigen nicht mehr verkraftbar. So schließen Igelstationen wegen des permanenten Präsenzanspruches und ständiger Überforderung besonders in den Herbst- und Wintermonaten oft nach kurzer Zeit wieder.

Wünsche...

Wenn wir noch sorgfältiger als bisher mit Gartengeräten, wie Rasentrimmern, umgehen lernen und besonders unter überhängenden Büschen und Zweigen nachsehen, ob dort nicht ein Igel einen Ruheplatz gefunden hat, wäre schon viel erreicht. Wenn jeder von uns sorgfältiger im Verkehr wäre, zurückhaltender mit der Giftspritze, wenn wir durchlässigere Gärten mit heimischen Pflanzen und damit eine große Bandbreite an heimischen Insekten hätten, wären nicht so viele Igel notleidend und krank und müßten in eine Station kommen. Wenn Finder sich besser informieren würden und ein wenig Bereitschaft mitbringen würden, das Engagement von Sachkundigen durch eigenes Engagement zu unterstützen, statt die wenigen engagierten Menschen kontinuierlich mit Selbstverständlichkeit so überzustrapazieren - wie gut ginge es uns und den Tieren.

[Bearbeiten] Weblinks